Peru
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Peru - Geschichte & Politik
Eine Haupteinteilung der peruanischen Geschichte läßt sich in Präinka- und lnkazeit (zusammen auch präkolumbische Zeit genannt), Kolonialzeit und Unabhängigkeitszeit vornehmen. Im folgenden sind detaillierte Informationen zu allen Zeitabschnitten aufgeführt. Besonders im präkolumbischen Abschnitt sind alle Zeitangaben als „Etwa-Zeiten“ zu betrachten - zum Teil findet man viele widersprüchliche Angaben auch in der Fachliteratur.

Die Frühgeschichte
Die ersten »Amerikaner« kamen aus Asien und wanderten höchstwahrscheinlich über die Beringstraße ein. Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, daß auch von Australien aus eine Besiedlung erfolgte, doch diese Theorie ist weder bestätigt noch widerlegt. Jedenfalls waren Europa und Asien längst bevölkert, als um etwa 40.000 vor Chr. die ersten Menschen amerikanischen Boden betraten. Das Gebiet des heutigen Perú erreichten die ersten Nomadenstämme vor etwa 20.000 Jahren. In den letzten Jahrzehnten hat man zahlreiche Spuren dieser Steinzeitmenschen entdeckt, die als Jäger und Sammler lebten. Dazu gehören die Ausgrabungen von Chivateros und Cucaracha unweit des Flughafens von Lima, die Felsmalereien in den Höhlen von Lauricocha an der Quelle des Rio Marañón oder in den Höhlen von Toquepala sowie die Huaca Prieta an der Küste nördlich von Trujillo. In den Kordilleren und in einigen Küstentälern erwuchsen aus den primitiven Ackerbau-Kulturen, die nach und nach aus den Jägern und Sammlern geworden waren, Hochkulturen mit erstaunlichem Entwicklungsstand. Ihre Entfaltung wurde möglicherweise wurde möglicherweise von anderen Erdteilen sowie von Mexiko beeinflußt. So zeigen Keramikfunde aus Valdivia im Küstengebiet von Ecuador überraschende Übereinstimmung mit der japanischen Jomon-Kultur. Und daß es möglich war, mit einem altperuanischen Floß bis zu den polynesischen Inselbn zu gelangen, zeigte der Norweger Thor Heyerdahl, der 1947 mit seinem Floß Kon-Tiki von Callao aus in die Südsee segelte. Seine Expedition stützte sich auf eine Legende, nach der der Inka Tupac Yupanqui im 15. Jahrhundert eine Fahrt aufs offene Meer hinaus wagte und nach langer Zeit wohlbehalten zurückkehrte.

Die präkolumbischen Hochkulturen
Wenn man in Europa an das vorspanische Perú denkt, so hat man das Reich der Inka vor Augen. Jenes bemerkenswerte Staatssystem, das die Europäer bei ihrer Ankunft im heutigen Perú vorfanden, wird gemeinhin als die Krönung aller altperuanischen Kulturen betrachtet. Diesen Ruf jedoch besitzt das Inka-Imperium nicht ganz zu Recht, mag auch die Menge an Gold, Silber und Edelsteinen, welche die Spanier vorfanden, sensationell gewesen sein. Auch die vorinkaischen Kulturen erreichten eine außerordentlich hohe Entwicklungsstufe, wie beispielsweise das Reich der Chimú zeigt. Die Lebensweise der Menschen aus diesem Zeitabschnitt kann heute nur noch anhand von Funden bestimmt werden. Eine Kenntnis über exakte geschichtliche Vorgänge ist so aber nicht zu gewinnen. Da die altperuanischen Völker einen ausgeprägten Totenkult pflegten, wie man ihn beispielsweise von den Ägyptern kennt, sind besonders viele Prunkgegenstände überliefert. Die Tongefäße der verschiedenen Epochen, die Metallarbeiten und auch die Textilien, die im trockenen, salpeterhaltigen Boden der Küste hervorragend erhalten blieben, stellen nämlich zumeist keine allgemeinen Gebrauchsutensilien dar, sondern erlesene Grabbeigaben. Anhand dieser Gegenstände versuchen die Forscher nun die altperuanischen Kulturen und Lebensweisen nachzuvollziehen. Die präinkaischen Kulturvölker haben in Keramik und Textilien Einmaliges hinterlassen. In der Metallurgie wurden außer Gold auch Kupfer und Silber verwendet. Man legierte, goß, vergoldete und stellte Gegenstände aus verschiedenen Metallen her. Für an der präkolumbischen Zeit näher Interessierte sei hier besonders auf die Geschichtsbücher von Disselhoff, Stierlin, Stingl und Helfritz hingewiesen. Einen Überblick über diesen Abschnitt der Geschichte auf dem Gebiet des heutigen Perú gibt auch die nachstehende Zeittafel.
Das Reich der Inka
Der Titel „Inka“ stand einst nur dem Herrschergeschlecht zu und wurde erst später auf das ganze Volk übertragen. Woher die Inka kamen ist unbekannt, es gibt aber einige Sagen. Eine Version erzählt, daß aus einer Höhle bei Cuzco vier Brüder und vier Schwestern erschienen. Drei der Brüder wurden zu Stein verwandelt. Der übriggebliebene, Manco Capac, erwählte die mutigste seiner Schwestern, Mama Oda, zur Frau und gründete die spätere Hauptstadt Cuzco. Nach Garcilaso da la Vega, dem bedeutendsten Inka-Chronisten, schickte einst der Sonnengott seine beiden Kinder Manco Capac und Mama 0da auf die Erde. Von der Sonneninsel im Titicacasee traten sie ihren Weg an und gründeten Cuzco. Von der dortigen Bevölkerung wurde das Geschwisterpaar hoch verehrt. Sie machte Manne Capac zu ihrem Fürsten und er wurde der erste lnka. Historisch war die Staatsreligion der Inka ursprünglich die Religion der Quechua, an deren Spitze die alt-andine Schöpfergottheit Wiracocha stand. Sie wurde später von dem Inka-Sonnengott Inti verdrängt, seine Hauptfrau verkörperte die Mondgöttin QuilIa. Der Überlieferung nach hatte das Inkareich bis zum Einfall der Spanier (1532) 13 Herrscher. Die ersten acht waren halb geschichtliche, halb mythische Gestalten, die letzten fünf sind geschichtlich erwiesen. Allerdings wird vermutet, daß einige lnkaherrscher in den Uberlieferungen nicht aufgeführt wurden, da sie wahrscheinlich unbedeutend waren. Zu Blütezeiten beherrschten die Inka ein gewaltiges Reich mit der Hauptstadt Cuzco, das die heutigen Länder Ecuador, Peru, Bolivien sowie Teile von Argentinien und Chile umfaßte. Das Reich zerfiel nach dem Tod Huayna Capacs in das Südreich unter Huascar und das Nordreich unter Atahualpa. Im selben Zeitraum wurde innerhalb kürzester Zeit durch den Einfall der Spanier unter Pizarro sein Untergang besiegelt.

Die Kolonialzeit
Mit der Zerschlagung des Inka-Reiches beginnt die Geschichte der ca. 300jährigen Kolonialherrschaft der Spanier auf dem Südamerikanischen Kontinent. Einzelheiten aus dieser Epoche sind in der Zeittafel aufgeführt. Die Kolonialzeit endet mit den Aufständen und Unabhängigkeitserklärungen der Andenländer im 18. und 19. Jahrhundert.

Das unabhängige Perú
Am 28. Juli 1821 wurde die Republik Perú proklamiert, nachdem der argentinische General José de San Martin die Übermacht der Spanier gebrochen hatte. Die Anerkennung der Unabhängigkeit durch Spanien erfolgte jedoch erst 1979. In den knapp 200 Jahren peruanischer Geschichte kam es zu zahlreichen Machtkämpfen mit nachfolgenden politischen Kurswechseln. Diese Wechselhaftigkeit der Geschichte sowie die bisher insgesamt zehn Kriege behinderten die wirtschaftliche Entwicklung erheblich. Der Fortschritt war jedoch vom Tag der Unabhängigkeit an nicht mehr aufzuhalten und läßt mit den jüngsten Entwicklungen berechtigte Hoffnungen auf eine positive Zukunft wachsen.

Politik der Gegenwart
Perú ist eine Republik mit einem Parlament und einem Präsidenten, welcher praktisch die gesamte Macht in seinen Händen hält. Beide werden vom Volk frei gewählt.

Mit dem Sozialdemokraten Alan Garcia hatte Peru seit dem 28.7.1985 (der 28. Juli ist Nationalfeiertag) einen demokratisch gewählten Präsidenten, der die erst 1980 nach zwölfjähriger Militärdiktatur wieder hergestellte Demokratie stabilisieren sollte. Eine schnell wachsende Bevölkerung, zunehmende Arbeitslosigkeit und eine galoppierende Geldentwertung warfen jedoch große Wirtschaftsprobleme auf, die durch die Mißwirtschaft der Regierung noch gefördert wurden. Die wirtschaftliche Entwicklung Perus ging während der Amtszeit Alan Garcias auf das Niveau von vor 1961 zurück! Zusätzlich stellte der Sendero luminoso, der „Leuchtende Pfad“, eine seit 1980 existierende und immer stärker operierende kommunistisch-maoistische Guerillabewegung die junge Demokratie auf eine harte Probe, denn er stürzte große Landesteile in Anarchie.

Der nachfolgende und neue Präsident Alberto Fujimori, ein Sohn japanischer Einwanderer, der zur Überraschung aller den hoch favorisierten weltbekannten Schriftsteller Mario Vargas Llosa bei den Wahlen 1990 ausbootete, übernahm ein vor dem wirtschaftlichen Ruin stehendes und von Gewalt zerfressenes Land. Was die abschreckende Gewalt von „Sendero“ und Militär nicht ganz geschafft hatten, passierte endgültig mit der Cholera-Epidemie 1991. Der Touristenstrom versiegte gänzlich und damit die letzte verbliebene Deviseneinnahmequelle.

Fujimori gelang erstaunliches: Der „Leuchtende Pfad“ ist zerschlagen, der berüchtigte Guerillaführer Abimael Guzman wurde im Jahre 1992 verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Untergrundkrieg forderte insgesamt 30 000 Todesopfer.

Mit einem für die Bevölkerung äußerst schmerzhaften Reformprozeß sanierte der Präsident, der per „Eigenputsch“ am 5.4.92 die Verfassung außer Kraft setzte und das Parlament entmachtete, die Wirtschaft des Landes, bekam die unter seinem Amtsvorgänger in astronomische Höhen geschossene Inflation in den Griff, und nach und nach flossen auch wieder Kredite ins Land.

Bei den Präsidentenwahlen 1995 wurde Fujimori mit 64,4% der Stimmen gegen seinen Kontrahenten, den ehemaligen UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar, für eine zweite Amtszeit wiedergewählt und setzte seinen Reformkurs fort. Von Kritikern wurde ihm jedoch zunehmend autoritärer Machtmißbrauch vorgeworfen. Dies spiegelt sich auch in den jüngsten Entwicklungen wieder.

Bei den Wahlen im Sommer 2000 wurde Fujimori zunächst erneut Wahlsieger. Oppositionskräfte um den Präsidentschaftskandidaten Toledo zweifeln jedoch den korrekten Wahlablauf an. Im Rahmen von Protestkundgebungen um den Nationalfeiertag am 28. Juli herum wurde die peruanische Staatsbank Opfer eines Brandanschlages. Die Situation spitzte sich zu und im September 2000 mußte Fujimori anläßlich eines Bestechungsskandals seinen Rücktritt erklären. Die politische Situation ist seitdem recht offen, doch nicht unbedingt beunruhigend. Die Verhältnisse im Land selbst sind nach wie vor sicher und stabil.

Am 9. April 2006 fanden die Präsidentschaftswahlen statt. Dabei erhielt Ollanta Humala 30,9 Prozent der Stimmen. Ihm folgte mit 24,7 % der frühere Staatspräsident Alan García. Auf Platz 3 (nur knapp einem Prozent hinter García) lag die rechtskonservative Politikerin Lourdes Flores Nano, die noch wenige Monaten zuvor als sichere Gewinnerin gehandelt worden war. Da keiner der Kandidaten über die notwendige absolute Mehrheit verfügte, kam es am 4. Juni 2006 zu einer Stichwahl zwischen Ollanta Humala und Alan Garcia. Dabei gewann Alan García mit 52,625 % der Stimmen. Ollanta Humala gewann zwar in der Mehrheit der Departamentos, García konnte jedoch insgesamt einen höheren Anteil der Bevölkerung für sich gewinnen. Vor allem in der Hauptstadt und in den Departamentos an der Küste, wo die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung besser ist, wurde García mit Mehrheit gewählt. Ollanta erhielt hingegen die Stimmen der ärmeren Teile des Landes in der Selva und der Sierra.